Archiv für den Monat August 2014

Freizeit – Arbeitszeit. Lebenszeit?

Kann mir bitte jemand erklären, warum wir so leidenschaftlich zwischen den Kategorien Freizeit und Arbeitszeit unterscheiden? Eins davon ist positiv konnotiert, eins negativ. Schwarz und weiß. Freud und Leid.

Das hat etwas sehr menschliches, religiöses. Leiden und Genießen, Ausgewogenheit. Sähen und Ernten. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Denn letzteres will durch selbst auferlgte Enthaltsamkeit und verdient werden. „Ich habe mir meinen Feierabend verdient!“ Allein diese Wort. Feierabend. Was feier ich denn da? Die Überwindung der Arbeit, die Rückkehr zu mir selbst?

Außerdem: Kein Arbeitstag kann mir nahebringen, wann ich produktiv arbeiten kann. Das passiert einfach irgendwann zwischen jetzt, später und soeben. Was also, wenn ich eine produktive (jobbezogene) Phase habe, die in meiner Freizeit stattfindet? Da bin ich aufgeschmissen.Entweder ich übergehe sie, oder erkläre sie eigenmächtig zur Arbeitszeit.

Bei letzterem natürlich mit genauester Zeiterfassung, die ich mit beeindruckender Akribie in einer eigens dafür angefertigten Datenbank nachhalte. Zeitaufwand? Ja, vorhanden.

Oder ich übergehe sie. Konsequenz: Durch die Verdrängung geht der Inhalt verloren und kann dem Projekt o.ä. nicht zweckdienlich angedeihen.

Es ist ausweglos. Ich kann mit dieser determinierten, zeitlich fixierten Kategorisierung recht wenig anfangen.

Was ist mit Lebenszeit? Als Grustufe, die zwischen schwarz und weiß changiert.

Grenzen setzen

Leute, Optionen lassen mich erstarren. Nehme ich blau, grün oder doch lieber rot?

Ich drehe mich um und gehe. Ich nehme keins. Und ärgere mich, denn was wäre gewesen, wenn…? Ich hätte doch nur eins nehmen müssen. Mich für eine Option entscheiden. Aber das kann ich nicht. stattdessen gibt’s nichts und den Ärger über die eigene Entscheidungsunfähigkeit. Denn so komme ich nicht weiter. Und weiterkommen möchte ich ja. Tja.

Sich für etwas entscheiden bedeutet im Umkehrschluss, sich gegen etwas zu entscheiden. Dadurch werden Grenzen gesetzt. Eine Option nehme ich an, die andere grenze ich aus. Dann kann ich schauen, wie es weitergeht. Ich empfinde es als sehr wohltuend, eine Entscheidung zu treffen, mir Grenzen zusetzen. Denn allein diese Tatsache hat etwas ungemein erfrischendes, erst durch die Ausgrenzung kann ich mich weiter bewegen, neue Erfahrungen machen und zu neuen Erkenntnissen gelangen.

Allein, so weit zu kommen bedeutet viel Anstrengung. Angst vor nicht absehbaren Konsequenzen vernebelt die Entscheidungsfähigkeit.

 

Achtung: Übertreibung des Ausgrenzens führt zu allumfassender Einhegung seiner selbst. Dann geht nichts mehr voran.