Archiv für den Monat Februar 2013

Raise easy siebenstellig und dann fetter Exit

Ein Startup zu gründen ist einfach: Man nehme zunächst einen Namen, der auf »io« oder »ia« endet.
Damit ist schon die Hälfte geschafft. Nun bitte Apps für alle gängigen Smartphone-OS entwickeln lassen und eine Website anbieten, auf der unbedingt ein Erklär-Video eingebettet ist. Dieses muss nicht zwangsläufig zur Erklärung der Sache beitragen, sollte aber in jedem Fall mit leichter, plätschernder Gitarrenmusik unterlegt sein. Dazu eine Erzählstimme, die an Peter Lustig angelehnt ist und mit den Worten beginnt: »Das ist Tom…« (wahlweise auch: »Das ist Nina…«)

Glückwunsch! Der erfolgreichen Funding-Runde, in der easy siebenstellige Beträge geraised werden, steht nichts mehr im Weg!

Sollten die Investitionsmittel aufgebraucht sein, einfach nach dem selben Muster das nächste große Ding aufziehen. Vorteil hierbei: Die Entwicklungskosten für Design, Website und Apps fallen niedriger aus, weil eigentlich nur die Farben ausgetauscht werden müssen. Auch der bereits gedrehte Film lässt sich neu zusammenschneiden und mit einer neuen Geschichte aus dem Off versehen.
Startups are so easy!

Doch was sagt es eigentlich über Startups aus, wenn sie so vorgehen?
In der Vergangenheit hat sich oft gezeigt, dass es insbesondere die einfachen Ideen sind, die überzeugen. Wenn nun die Kommunikation so gestaltet wird, dass man sich als Konsument dieser wie ein Kleinkind fühlt, scheint alles einfach zu sein.
Auch wenn ich nach dem Erklär-Video nicht schlauer als vorher bin, habe ich zumindest den Eindruck gewonnen, dass alles ganz einfach ist. (Ich bin womöglich nur zu blöd, es zu begreifen.)
All diese coolen und bahnbrechenden Ideen, die wie Pilze aus dem Boden sprießen sind also allesamt genial simpel und –mal ehrlich– jeder von uns hat zumindest insgeheim darauf gewartet und ist heilfroh, dass es nun eine Technik gibt, die das Leben plötzlich so sehr bereichert! Wie oft ich doch laut jubele, dass ich jetzt dank barbequeio.it meine Nackensteaks auf den Punkt gegart kriege und dieses Erlebnis insatntly mit meinen Friends sharen kann! Großartig! So bekommt doch mein Leben endlich wieder einen Sinn!

Das schöne: Startups ermöglichen vielen Menschen ein selbstbestimmtes Leben. Ihre wachsende Population ist ein Indikator für den Wandel in unserer Gesellschaft. Wir leben im Überfluss und wollen uns selbst verwirklichen, suchen nach Sinn und wollen keine Minute zu viel in Aufgaben verbringen, die diesen Ansprüchen nicht gerecht werden können, weil sie uns einschränken und determiniert sind. Doch irgendeinem Job muss man ja nachgehen und Geld zum Leben braucht man auch. Deshalb werden (wahn-) witzige Dinge erfunden, die alle garantiert irgendwann »fliegen«!
Doch letztendlich sind sie nur das Feigenblatt, dass wir brauchen, um wenigstens dem Schein nach noch einer ausfüllenden, fordernden und erträglichen Tätigkeit nachzugehen. Vielmehr Mittel zum Zweck: Wir wissen insgeheim, dass nichts »fliegen« wird. Doch wir erzählen es jedem. Schließlich geht’s ums Geld, um unser Überleben.

Ist ein Exit gelungen steht dem Glücklichen ein Grundeinkommen zur Verfügung, dass die letzte Bastion des Zwanges zu Sturz bringt und dem kreativen Entrepreneur damit ermöglicht, sich den wirklich wichtigen Themen der Gesellschaft anzunehmen.

Also weiter mit dem Müll!

Nur nicht zu ernst nehmen. 🙂